111 Jahre Apotheke zum goldenen Horn

Ein hundertjähriges Bestehen ist, selbst in Köln, mit seiner grossen Zahl traditionsreicher Apotheken, ein gebührender Anlass einen kurzen Rückblick zu wagen.

So sah es am Chlodwigplatz 1904 aus. Am 17. März 1902 erteilte der Ober-Präsident der Rheinprovinz Herrn Apotheker Joseph Curt (gemäß der Allerhöchsten Ordre vom 30. Juni 1894 als Personalkonzession ohne Präsentationsrecht) die Erlaubnis zum Betreiben einer Apotheke im Haus Bonnerstrasse 22. Vorausgegangen waren die Bemühungen des Regierungspräsidenten der Stadt, die Arzneimittelversorgung in dem neu entstandenen Wohnviertel im Kölner Süden sicherzustellen.

 

Mit dem Schreiben vom 6. Mai 1901 bewarb sich Apotheker Curt und erhielt ein knappes Jahr später die Konzession. Mit einer Neugründung waren keine Privilegien verbunden, die einerseits auf eine lange Tradition verwiesen hätten und nach damaligem Recht auch noch erhebliche wirtschaftliche Bedeutung hatten. Vielleicht wollte Apotheker Curt dieses Manko ausgleichen, indem er der neuen Apotheke einen wohlklingenden alten Namen gab.
Es ist nicht sicher – wohl aber wahrscheinlich ,dass ihm die pharmaziehistorischen Arbeiten seines Kölner Kollegen Friedrich Bellingrodt bekannt waren, der zwischen 1898 und seinem Tod 1904 umfangreiches Material zur Geschichte des Kölner Apothekenwesens aus dem Stadtarchiv gesichtet hatte.
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Dabei könnte J. Zehpfenning (Foto) der Name einer Apotheke aufgefallen sein, die bereits Mitte des 15. Jahrhunderts im Eckhaus Obermarspforten – Unter Goldschmied bestanden haben soll. Ob im “ Haus Zum Goldenen Horn“ des Apothecarius Laurentius Arzneien bereitet und verkauft wurden und wie lange diese Einrichtung fortgeführt wurde, liess sich bisher aus der Aktenlage nicht klären. Indes lässt die Wahl des Namens auf einen Bezug zur Pharmazie schliessen.
Denn das 1488 erschienene, weitläufig genutzte „Compendium Aromatariorum“ des Arztes Saladin von Ascolo empfahl, bestimmte Drogen – u.a. zur besseren Haltbarkeit – neben in Glas- oder Porzellangefässen auch in „Vasa de Cornu“ also Gefässen aus Horn unterzubringen, von denen besondere vergoldet wurden.

 

Ferner mag dem „Goldenen Horn“ als Aufbewahrungsort der Reliquien des heiligen Cornelius eine über das Religiöse hinausgehende Bedeutung zukommen. Brachte doch die Verehrung der Reliquien manchmal die erhoffte Heilung von Krankheiten, wenn die damalige Medizin dazu nicht mehr in der Lage war. Etwa 350 Jahre später gab es zwar immer noch einige alte Rezepturen und Relikte aus jenen frühen Zeiten der hippokratisch – galenischen Pharmazie (wie Destilliergeräte oder die „Stosskammer“ für Drogen), doch basierte die Therapie bereits auf einer weitgehend rational begründeten Pharmakologie.
Die APOTHEKE ZUM GOLDENEN HORN erfuhr somit eine rein nominelle Wiedergeburt. Laut Besichtigungsbescheid vor der Eröffnung lobten die Komissare des Regierumngspräsidenten „die gute Lage, ferner die reichliche und elegante Ausstattung aller Geschäftsräume und die tadelose Beschaffenheit aller Arzneimittel. Apotheker Curt hatte nach Studium (Erlangen) und Approbation (München) sein Ziel einer eigenen Offizin erreicht. Sein Schwager und Nachfolger Josef Zehnpfenning (Praktikum in der Apotheke zum goldenen Kopf, Studium – unterbrochen während des Krieges in Bonn, Pharmazeutische Prüfung in Berlin) sollte hierauf sogar 34 Jahre warten müssen.

Als Joseph Curt 1923 starb, übernahm J. Zehnpfenning die Apotheke zunächst als Verwalter für seine Schwester, dann ab 1936 als Pächter.
Trotz widrigster Bedingungen blieb die Apotheke während des verheerenden 2. Weltkrieges mit nur kurzer Unterbrechung geöffnet.
Am 23. Juni 1943 bombardierten die Aliierten zum wiederholten Male die Kölner Innenstadt und die Brücken. Das Opernhaus am Ring und andere Gebäude, die den Angriff der 1000 Bomber vom Mai 1942 überstanden hatten, sowie grosse Teile des Severinsviertels gingen in Flammen auf, so auch das Haus Bonnerstrasse 22. Drei Tage wütete der Brand.
Nur durch den unermüdlichen Einsatz von J. Zehpfenning, der selbst bei den Löscharbeiten half, konnte der Brand im Erdgeschoss gestoppt werden. Das Löschwasser richtete jedoch durch einstürzende Decken erhebliche Schäden in der Apotheke an.
In nur fünf Monaten wurden über den Apothekenräumen neue Decken eingezogen, ein Notdach errichtet und die Schäden behoben. Ende 1943 wurde die Apotheke wieder eröffnet. Kurz vor Ende des Krieges richteten Sprengbomben erneut grosse Schäden an. In Etappen und Anfangs nur mit eigenen finanziellen Mitteln bauten Gerda und Josef Zehnpfenning die Apotheke und ab 1953 mit Hilfe der Familie Curt den restlichen Teil des Gebäudes wieder auf.

Bis zur Verpachtung an ihren Sohn Karl-Günther im Jahre 1970 hatten Gerda und Josef Zehnpfenning jeweils 50 Jahre ihres Lebens in den Dienst der Apotheke gestellt. 1970 wurde die Apotheke auf den damaligen neuesten Stand renoviert. Karl- Günter Zehnpfenning, der Sohn Josefs übernahm zunächst als Pächter die Apotheke.
95 Jahre war die Apotheke in den Händen der Familie Curt – Zehnpfenning. 1996 übernahm Dr. Jürgen Büsch Fachapotheker für Offizinpharmazie, die Apotheke. 1998 wurde die Apotheke umgebaut und modernisiert. Das Haus wurde 2012/13 verkauft und 2014 zog Dr. Büsch am 111 Gebutstag mit der Apotheke in die Räumlichkeiten des früheren Schlecker Drogeriemarktes, Bonner Strasse 28.
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